Chronik der Leipziger Kisten- und Leistenfabrik GmbH. Hervorgegangen ist sie aus zwei Unternehmen, deren Gründungsväter, Carl August Voigt und Paul Rühl, sich unabhängig von einander dem unvergänglichen Werkstoff Holz verbanden und die Verpackungsmittelindustrie in Mitteldeutschland revolutionierten.

Chronik Firma C. A. Voigt (1863-1972)

1863 Carl August Voigt (1840-1910) eröffnet am 1. April 1863 in Leipzig-Reudnitz eine Kistenfabrik. Es sollte eine der bedeutendsten in Deutschland, zumindest die umfangreichste in Sachsen und die älteste in Leipzig werden.

In den ersten Jahren produziert Carl August Voigt Kisten und Koffer. Ende der achtziger Jahre wird die Kofferherstellung eingestellt. Die Spezialisierung auf die Versandkistenproduktion macht das Unternehmen führend in seiner Branche und steht im engen Zusammenhang mit dem industriellen Aufschwung Mitteldeutschland und speziell Leipzigs.

 

1885 Ein verheerender Brand vernichtet am 6. Mai 1885 die gesamte Produktionsanlage in Leipzig-Reudnitz. Beim Wiederaufbau setzt Voigt auf Verbesserung des Bisherigen und bringt bald wieder volle Leistung. Die Arbeiter rekrutierte Carl August Voigt aus dem Leipziger Umland und bildete sie zu tüchtigen Arbeitskräften aus und schafft sich einen verlässlichen Mitarbeiterstamm. Auf seinen Geschäftsreisen über das Erzgebirge hinaus nach Bayern, Schlesien bis Österreich-Ungarn knüpft Carl August Voigt enge Kontakte und bezieht von dort sein Schnittholz.

1910 Carl August Voigt erfreute sich als „alter Reudnitzer“ Beliebheit und Ansehen und hatte auch in seinem 70. Lebensjahr noch viele Pläne. Sie zu verwirklichen blieb ihm keine Zeit. Am 28. März 1910 verstirb Carl August Voigt und findet auf dem Leipziger Südfriedhof in einem prächtigen Jugendstilgrabmal seine letzte Ruhe.

Carl August Voigt hinterlässt nach 47-jähriger Leitung seinem einzigen Sohn Carl Alfred ein wohlgeordnetes, aufstrebendes und gesundes Unternehmen.

Am 1. April 1910 trat Carl Alfred sein Erbe an.

Mit dem „Tresor aus Holz“ wird weltweit geworben. Das eingetragene Warenzeichen „CAVO Kiste“ steht für eine einwandfreie Verpackungsform für hochwertige Güter zum Versand in alle Welt.

1913 Zum 50jährigem Jubiläum, am 1. April 1913 eröffnet Carl Alfred Voigt in Mockau bei Leipzig ein Dampfsägewerk mit Gleisanschluss an die Staatsbahn und einen auf die Zukunft ausgerichteten Holzlagerplatz. Das nach praktischen und modernsten Gesichtspunkten erbaute Werk weißt mit 2 Dampfmaschinen, 2 Lokomobilen, 1 Gasmotor und einer Wasserkraft von 200 Pferdestärken sowie 3 Gattersägen eine beindruckende technische Ausrüstung auf. Um die 100 ausgebildete Arbeiter versehen die nötige Handarbeit oder bedienen die mehr als 30 Arbeits- und Hilfsmaschinen für die Erzeugung und Bearbeitung der Kistenbretter.

Ebenso wie der Vater, übernimmt auch Carl Alfred mehrere solide, in kleinerem Umfang produzierende Kistenfabriken und vergrößert damit das Voigt’sche Unternehmen.

1933 Am 9. Januar 1933 verstarb Carl Alfred Voigt im Alter von knapp 52 Jahren in Leipzig und hinterließ laut Testament als Erbin seine Witwe Anna Voigt.

Das Unternehmen umfasst zu diesem Zeitpunkt die Kistenproduktion, den Schnittholzhandel und den Dampfsägewerksbetrieb und wird durch Fabrikdirektor Friedrich Karolus, der sich schon seit 1927 im Unternehmen einen guten Namen gemacht hatte, am Laufen gehalten. Dazu gehörte die Konzentration der Geschäftstätigkeit auf die Produktionsplätze Berliner Straße 77 und Mockauer Straße 47.

1937 C. A. Voigt wird Kommanditgesellschaft.

1945 Der Krieg hat auch dem Voigt’schen Unternehmen Zerstörung und Verluste gebracht. Die Produktionsstätte Mockauer Straße 47 mit Dampfsäge, Holzplatz und Kistenabteilung rückt in den Mittelpunkt.

1955 erteilt die Inhaberin der Firma C. A. Voigt Dampfsägewerk und Kistenfabriken KG Leipzig, Sophie Pauline Anna verwitwete Voigt, Herrn Direktor Fritz Karolus und Herrn Kaufmann Horst Schmuck vor dem Staatlichen Notariat eine Generalvollmacht und zieht sich offiziell aus den Führungsgeschäften zurück.

1956 Das Jahr steht für einen Wandel der bisherigen Gesellschaftsform der Betriebe in der DDR. Die Fa. C. A. Voigt, Dampfsägewerk und Kistenfabrik KG unter dem geschäftsführenden Komplementär Fritz Karolus wird erster Betrieb mit 25prozentiger staatlicher Beteiligung. Als Gesellschafter wurde der 1953 gegründete VEB Holzbauwerke Leipzig, später VEB Holz- und Leichtmetallbauelemente, eingesetzt

Als eines der größten seiner Art im DDR-Maßstab ist das Unternehmen in wichtigen Fachgremien vertreten; im Aktiv „Halbstaatlicher Betrieb“, in der „Holzinspektion beim Rat des Bezirkes“, in der „Rundholzkommission“ und als Bezirksleitbetrieb der „Erzeugnisgruppe Kisten und Verschläge“.

1963 Am 1. April 1963 feiert das Kistenunternehmen im Bachsaal des Leipziger Zoos seinen 100. Geburtstag. 

1964 Nach dem Ausscheiden des Geschäftsführers Fritz Karolus, überimmt sein langjähriger Partner Horst Schmuck die Führungsrolle. Die nächsten Jahre sind von den Bemühungen gekennzeichnet, sowohl die Produktivität mit den erforderlichen Qualitätsmerkmalen von Jahr zu Jahr zu steigern, als auch die Bedingungen für die Belegschaft zu verbessern.

1972 Die Fa. C. A. Voigt Dampfsägewerke und Kistenfabriken KG wird als eine der ersten Betriebe verstaatlicht. Im gleichen Jahr legt Horst Schmuck nach 38-jähriger Tätigkeit seine Leitungsfunktion aus Gesundheitsgründen nieder.

1978 Es folgen verschiedene Geschäftsführer, bis es 1978 zur Zusammenführung und Verschmelzung des VEB Leipziger Kistenfabrik mit dem VEB Spezialkisten Wiederitzsch unter dem Betriebsleiter Thomas Rühl kam.

Chronik Firma Paul Rühl (1932-1990)

1932 Paul Rühl (1903-1968) erfüllt sich seinen Traum vom eigenem Unternehmen und eröffnet in Podelwitz eine Verpackungskistenproduktion. Als bescheiden und zuverlässig bekannt, sichert sich der „kleine Kistenbauer“ bald das Wohlwollen und die Anerkennung namhafter Kunden wie Oehme & Baier oder Villeroy & Boch. Seine Kisten unterscheiden sich von denen anderer Kistenbauer in ihrer speziellen Anfertigung. Sie unterliegen keinen Standardmaßen. Es sind handgefertigte Spezialkisten.

1937 Ein Umzug und die Produktionsverlagerung nach Wiederitzsch in die Bernhard-Krostitz-Straße bringt die notwendige Erweiterung. Die Arbeitsbedingungen verbessern sich. Ein gewaltiger Motor treibt Pendel- und Kreissäge an; Telefon und Schreibmaschine halten als Neuerung Einzug.

1939 Mit dem frühzeitige Einzug zum Kriegsdienst des Chefs, kommt es zur Produktionseinstellung, die erst mit der Rückkehr Paul Rühls aus der Kriegsgefangenschaft nach Ende des Krieges wieder aufgehoben werden kann.

1950 Zwei Jahre nach Baubeginn kann in der heutigen Hermann-Keller-Straße 3 in Wiederitzsch ein neues Produktions- und Wohndomizil bezogen werden. Die Kistenproduktion zeichnet sich weiter durch ihre Spezialisierung aus.

1959 Paul Rühl nimmt den VEB Holzveredelungswerke Leipzig-Wiederitzsch unter Fortführung der bisherigen Firma als staatlichen Gesellschafter auf. Mit einer staatlichen Beteiligung von 50% wird die Paul Rühl KG Spezialkistenfabrikation am 1. Januar 1959 gegründet.

1968 Paul Rühl verstirbt kurz vor Vollendung seines 65. Lebensjahr. Sohn Thomas übernimmt den väterlichen Betrieb, modernisiert und trifft zukunftsweisende Entscheidungen.

1972 Die letzte große Enteignungswelle erfasst alle privaten und halbstaatlichen Betriebe.

Die Paul Rühl KG wird VEB Spezialkisten Wiederitzsch.

1976/77 Der Leitbetrieb der Erzeugnisgruppe „Kisten und Verschläge aus Holz“ – der VEB Leipziger Kistenfabrik – hervorgegangen aus der C. A. Voigt Dampfsägewerke und Kistenfabrik KG ist führungslos geworden. In solchen Fällen liegt die Entscheidung der Neubesetzung beim Wirtschaftsrat des Bezirkes. Thomas Rühl übernimmt in Doppelfunktion die Leitung des VEB Spezialkisten Wiederitzsch und des VEB Kistenfabrik Leipzig in Mockau.

1978 Aus dem VEB Leipziger Kistenfabrik und dem VEB Spezialkisten Wiederitzsch wird der VEB Leipziger Kistenfabrik mit Betriebsteil Wiederitzsch; mit Kistenproduktion auf dem Mockauer Gelände und Spezialkistenfertigung in Wiederitzsch.

1980 Am 1. Januar wird der VEB Leipziger Kistenfabrik mit den Produktionsstätten Mockau und Wiederitzsch zum VEB Vereinigte Holzindustrie Leipzig, Betriebsteil 4 – Kistenfabrik mit Stammbetrieb in Borna umgewandelt, bevor es am 1. Januar 1982 zur Angliederung an das Kombinat in Borna kommt. Der Betrieb heißt nun: VEB Kombinat Schnittholz und Holzwaren Leipzig, BT 4 – Kistenfabrik Leipzig und Wiederitzsch.

Bis 1990 nimmt die Kistenproduktion in der Mockauer Straße 95% der Hauptproduktion ein.

in Wiederitzsch entwickelt sich eine Produktionslinie für gehobelte Profilleisten und „Exportleisten“.

Chronik Wendezeit bis Gegenwart (1990 -

1990 Thomas Rühl tritt am 1. April 1990 aus dem Kombinat Schnittholz und Holzwaren aus und gründete einen eigenständigen VEB Leipziger Kistenfabrik.

Mitte 1990 stellt Thomas Rühl den Antrag zur Umwandlung seines seit 1972 in Volkseigentum übergeleiteten Betriebes mit staatlicher Beteiligung in eine Kapitalgesellschaft.

1992 Am 1. Oktober 1992 ist es so weit. Die Leipziger Kisten- und Leistenfabrik GmbH ist gegründet und ein schuldenfreier Betrieb! Eine Neuorientierung hat jetzt zukunftweisende Bedeutung. Für den inländischen Markt verlieren die Kisten zunehmend an Bedeutung. Der Güterversand erfolgt zum großen Teil in Kartonagen oder auf Paletten. Dafür sichert die Leistenproduktion in Wiederitzsch Aufträge im Bereich der Stadtsanierung. Die speziellen Leistenprofile werden hauptsächlich bei der Restaurierung der alten Leipziger Bürgerhäuser für Fenster und Türen und im Dachbereich als Simsprofile eingesetzt.

Die Eröffnung eines Holzfachmarktes neben dem Holzhandel auf dem Betriebsgelände in Mockau erweist sich ebenfalls als der richtige Schritt in die Zukunft.

Mit der Kombination; Kisten-, Paletten- und Leistenfabrikation, Holzhandel und Holzfachmarkt füllt die Leipziger Kisten- und Leistenfabrik GmbH eine Bedarfsnische aus, die im Leipziger Raum einzigartig ist.

Die gehobelten Leisten, Simsprofile und Terrassenbeläge, hergestellt im Betriebsteil Wiederitzsch, sind in ihrer Qualität und Vielfältigkeit nur in der Leipziger Kisten- und Leistenfabrik erhältlich.

2003? Abbau der 1912 errichteten Lokomobile, die als Dampferzeuger die Sägegatter antrieb und zuletzt nur noch als Wärmeerzeuger diente. Eine moderne Heizungsanlage machte sie überflüssig.

2004? Ein großzügiger Hallenneubau nimmt mit einer Fläche von ca. 3.000 m² einen großen Teil des Holzvorrates auf.

2007 In der Betriebsstätte Wiederitzsch wird der alte Späneabscheider durch einen, den Grenzwerten des Bundesemmissionsschutzgesetz entsprechenden Entsorgungsanlage ersetzt.

2008 Im September 2008 hat Thomas Rühl das gesetzliche Rentenalter erreicht. Wie ein Steuermann führte er über vier Jahrzehnte konsequent, geschickt und mit Weitsicht seinen Betrieb erfolgreich durch alle Untiefen dieser langen Zeit. Seine Tochter Jana Rühl-Hess, studierte Finanzfrau mit profunden Kenntnissen der Holzbranche steht schon seit 10 Jahren an seiner Seite. Seit 2014 führt Sie das traditionsreiche Unternehmen weiter.